Ist Fashion Photography wirklich so wettbewerbsintensiv wie alle sagen?

Stell dir vor, du stehst morgens um fünf auf, trinkst deinen Kaffee im Auto, fährst zu einem Shooting in einem verlassenen Lagerhaus, hast drei Stunden Zeit, um zehn Outfits zu fotografieren, und dann musst du noch drei Stunden im Büro sitzen, um die Bilder zu bearbeiten. Und das ist nur ein normaler Tag. Die Frage, die sich viele junge Fotografen stellen, wenn sie in die Fashion-Fotografie einsteigen wollen: Is fashion photography competitive? Die Antwort ist einfach: Ja. Aber nicht, weil es nur um Talent geht. Sondern weil es um Durchhaltevermögen, Netzwerk und eine ganz spezielle Art von Resilienz geht.

Warum ist Fashion Photography so hart?

Die Fashion-Industrie ist kein Ort für Menschen, die auf Anerkennung warten. Sie ist ein Maschinenraum aus Agenturen, Redakteuren, Stylisten, Marken und PR-Abteilungen - und jeder will das beste Bild. Jedes Jahr starten Hunderte von Fotografen in Deutschland, Italien, Frankreich und den USA mit dem Traum, für Vogue, Harper’s Bazaar oder Calvin Klein zu arbeiten. Aber nur ein Dutzend davon landen tatsächlich auf den Coverseiten. Die restlichen arbeiten für kleine Online-Magazine, lokale Boutiquen oder machen nebenbei Stillleben, um die Miete zu bezahlen.

Es ist nicht so, als gäbe es nicht genug Arbeit. Es gibt mehr Fashion-Shootings denn je - Instagram, TikTok, E-Commerce. Aber die Bezahlung ist oft schlecht. Viele Aufträge werden mit „Exposure“ bezahlt. Das bedeutet: Du bekommst kein Geld, aber du darfst dein Bild auf der Website der Marke sehen. Und das ist nicht genug, um zu überleben. Eine Studie von 2024 aus Hamburg, die 212 Fashion-Fotografen befragte, zeigte: 68 % verdienen weniger als 1.200 Euro im Monat aus Fashion-Fotografie allein. 41 % haben einen Nebenjob in der Werbung oder als Bildbearbeiter.

Wer gewinnt - und warum?

Die erfolgreichsten Fashion-Fotografen sind nicht unbedingt die talentiertesten. Sie sind die, die systematisch aufgebaut haben, was man „Kontakte“ nennt. Sie kennen den Stylisten von der Uni, den Model-Scout von einem Workshop, den Redakteur von einer Ausstellung. Sie haben ein Portfolio, das nicht nur schön aussieht, sondern auch erzählt: Wer bist du? Was willst du sagen? Was unterscheidet dich von den 500 anderen, die denselben Look haben?

Ein Beispiel: Lena Brandt, eine Fotografin aus Berlin, begann mit Fotos von Freunden in ihrer WG. Sie schickte sie monatlich an drei kleine Modeblogs - nicht mit der Bitte um Arbeit, sondern mit einer kurzen Geschichte über die Kleidung, die sie fotografierte. Nach acht Monaten bekam sie ihren ersten kleinen Auftrag. Nach drei Jahren war sie bei Berlin Fashion Week dabei. Sie hat nicht gewonnen, weil sie die beste Kamera hatte. Sie hat gewonnen, weil sie konsistent war. Und weil sie nicht aufgehört hat, als niemand hinguckte.

Collage aus Händen, Kamera, Portfolio und Kaffeebecher mit Notiz 'Exposure only' – alltägliche Realität einer Fashion-Fotografin.

Die Technik ist nur die Hälfte

Es ist verlockend zu glauben, dass du mit einer Sony A7 IV und einem 85 mm f/1.2-Objektiv sofort besser wirst. Aber das stimmt nicht. Die besten Fashion-Fotos entstehen nicht durch teure Ausrüstung, sondern durch Verständnis. Du musst verstehen, wie ein Kleidungsstück sich bewegt, wie Licht auf Seide fällt, wie ein Model seine Haltung ändert, wenn es müde ist. Du musst wissen, wie ein Stylist denkt. Wie ein Make-up-Künstler arbeitet. Wie ein Produktmanager einen Look für den Online-Shop braucht.

Die meisten Anfänger konzentrieren sich auf das, was sie sehen - das Outfit, die Pose, die Location. Die Profis konzentrieren sich auf das, was sie nicht sehen: die Zeit, die dahintersteckt, die Kommunikation, die Nerven, die Fehler, die niemand sieht. Ein Bild, das wie ein Traum wirkt, wurde oft nach 17 Versuchen gemacht. Und der 18. war der erste, der funktioniert hat.

Wie du dich von der Masse abhebst

Wenn du in diesem Bereich durchstarten willst, musst du aufhören, dich mit anderen zu vergleichen. Stattdessen musst du deine eigene Sprache finden. Was ist dein Thema? Was bewegt dich? Ist es die Verbindung zwischen Mode und Identität? Die Absurdität der Trends? Die Einsamkeit hinter den glamourösen Fotos?

Einige der erfolgreichsten Fotografen heute haben ihre Karriere nicht mit einem Shooting für einen großen Namen begonnen. Sie haben mit einem persönlichen Projekt angefangen. Zum Beispiel: „Die Frauen, die meine Mutter war“ - Fotos von älteren Frauen in Second-Hand-Kleidung, aufgenommen in ihrer Wohnung. Oder: „Kleidung, die nicht verkauft wird“ - Bilder von überproduzierten Kollektionen, die nie in den Laden kamen. Solche Projekte zeigen, dass du denkst. Dass du nicht nur knipsen kannst, sondern dass du eine Vision hast.

Du musst auch lernen, Nein zu sagen. Es ist verlockend, jeden Auftrag anzunehmen - besonders wenn du knapp bei Kasse bist. Aber wenn du jedes Mal für eine Marke arbeitest, die nichts mit deiner Ästhetik zu tun hat, wirst du dich selbst verlieren. Und dann wirst du keine Arbeit mehr bekommen, weil deine Bilder keine Seele mehr haben.

Einsame Figur geht durch Nebel, umgeben von schwebenden, teils zerrissenen Fashion-Bildern, ein einzelnes Bild leuchtet warm.

Was du wirklich brauchst - außer einer Kamera

Du brauchst eine Liste mit 20 Menschen, die du regelmäßig kontaktierst. Nicht nur Agenturen. Sondern auch Modelle, die du magst. Stylisten, die du respektierst. Redakteure, die deine Arbeit gelesen haben. Du brauchst einen Plan, wie du deine Arbeit präsentierst - nicht als PDF, sondern als physische Mappe, die du persönlich übergibst. Du brauchst eine Routine, die dich am Laufen hält, auch wenn niemand dich sieht. Und du brauchst eine Grenze: Wann hörst du auf, wenn es zu viel wird?

Die meisten, die scheitern, scheitern nicht an der Technik. Sie scheitern an der Isolation. Sie arbeiten allein, denken, sie müssten alles allein schaffen, und vergessen, dass Fashion eine Branche ist, die auf Beziehungen basiert. Du musst lernen, dich zu öffnen. Zu fragen. Zu danken. Zu zeigen, dass du nicht nur ein Fotograf bist, sondern ein Mensch, der versteht, was hinter den Bildern steckt.

Was passiert, wenn du aufgibst?

Es ist okay, aufzuhören. Es ist nicht versagen. Viele Fotografen, die heute in der Fashion-Branche arbeiten, haben einmal aufgehört. Sie haben sich in andere Bereiche gewandt - Bildbearbeitung, Kuratierung, Lehre. Und einige von ihnen sind später zurückgekehrt. Mit mehr Erfahrung. Mit klarerem Kopf. Mit einem anderen Blick.

Die Fashion-Fotografie ist kein Sprint. Sie ist ein Marathon mit vielen Umwegen. Manche laufen 10 Jahre, bevor sie ihren ersten großen Auftrag bekommen. Andere bekommen ihn nach einem Jahr - und dann verschwinden sie wieder, weil sie nicht vorbereitet waren auf den Druck.

Wenn du wirklich willst, dass deine Bilder gesehen werden, dann musst du bereit sein, sie nicht nur zu machen - sondern zu verteidigen. Jeden Tag. Aufs Neue. Ohne Garantie. Ohne Applaus. Ohne Belohnung.

Und wenn du das tust? Dann wirst du nicht nur ein Fotograf. Du wirst ein Teil der Geschichte.

Ist Fashion Photography nur für Menschen mit viel Geld geeignet?

Nein. Du brauchst keine teure Kamera, um anzufangen. Viele erfolgreiche Fotografen haben mit einer gebrauchten DSLR und einem günstigen Objektiv begonnen. Wichtiger als die Ausrüstung ist, wie du deine Arbeit präsentierst und mit wem du dich vernetzt. Die meisten Budgets für Shootings kommen später - wenn du einen Namen hast. Anfangs zählt deine Vision, nicht dein Budget.

Wie lange dauert es, bis man als Fashion-Fotograf bekannt wird?

Es gibt keine feste Zeit. Einige werden nach einem Jahr entdeckt, andere brauchen fünf oder zehn Jahre. Der Schlüssel ist nicht die Schnelligkeit, sondern die Konsistenz. Wer regelmäßig neue Projekte veröffentlicht, mit neuen Leuten arbeitet und seine Arbeit sichtbar macht, erhöht seine Chancen. Es geht nicht darum, sofort berühmt zu sein - sondern darum, dauerhaft zu bleiben.

Kann man Fashion Photography ohne Fashion-Industrie-Netzwerk schaffen?

Es ist extrem schwer, aber nicht unmöglich. Die meisten Wege führen über Netzwerke - aber du kannst dir dein eigenes Netzwerk aufbauen. Über Instagram, über lokale Events, über Zusammenarbeit mit Studenten, Modedesignern oder Künstlern. Die Digitalisierung hat es ermöglicht, dass du nicht mehr auf Berlin, Paris oder Mailand angewiesen bist. Deine Arbeit kann online entdeckt werden - vorausgesetzt, sie ist einzigartig und konsistent.

Welche Fehler machen Anfänger oft?

Sie versuchen, wie andere zu fotografieren - besonders wie die Stars auf Instagram. Sie ignorieren ihre eigene Stimme. Sie akzeptieren zu viele „Exposure“-Aufträge und verlieren dadurch ihren Wert. Sie warten darauf, dass jemand sie entdeckt - statt selbst aktiv zu werden. Und sie vergessen, dass Fashion Fotografie auch Geschäft ist. Du musst nicht nur kreativ sein - du musst auch wissen, wie du deine Arbeit verkaufst.

Gibt es Alternativen zur traditionellen Fashion-Fotografie?

Ja. Viele Fotografen arbeiten heute in der „Sustainable Fashion“-Bewegung, fotografieren für unabhängige Marken, dokumentieren lokale Modetrends oder arbeiten mit Künstlern an interdisziplinären Projekten. Es gibt auch wachsende Nachfrage nach Fotografie für Second-Hand-Plattformen, Upcycling-Labels oder digitale Mode. Diese Bereiche sind weniger überlaufen - und oft kreativer.

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