Welchen Abschluss haben die meisten Fotografen?

Wenn du dich dafür interessierst, Fotograf zu werden, hast du dich wahrscheinlich schon gefragt: Braucht man dafür einen Uni-Abschluss? Oder kann man es auch ohne Studium schaffen? Die Antwort ist einfacher, als viele denken: Die meisten Fotografen haben keinen traditionellen Hochschulabschluss. Es gibt zwar Ausbildungen und Studiengänge, aber sie sind nicht die Regel - und auch nicht die Voraussetzung für Erfolg.

Die meisten Fotografen lernen durch Praxis, nicht durch Theorie

In Deutschland arbeiten über 70 % der berufstätigen Fotografen ohne einen Abschluss von einer Universität oder Fachhochschule. Das zeigt eine Umfrage des Deutschen Fotografenverbandes aus dem Jahr 2024. Stattdessen haben sie gelernt, indem sie mit Kameras experimentiert haben, Praktika gemacht haben, Assistenten waren oder selbstständig Projekte gestartet haben.

Stell dir vor, du willst Koch werden. Würdest du unbedingt einen Master in Gastronomie brauchen? Oder würdest du lieber in einer Küche anfangen, lernen, wie man Schnitttechniken beherrscht, Sauce richtig anrührt und mit Kunden umgeht? Genau so ist es mit Fotografie. Die Technik lässt sich lernen - aber das Auge, der Stil, das Timing: Die entwickelst du durch Tausende von Bildern, nicht durch eine Prüfung.

Ausbildung vs. Studium: Was gibt es wirklich?

Es gibt zwei Hauptwege, die Leute einschlagen: die duale Ausbildung und das Studium. Beide existieren - aber sie sind selten der erste Schritt.

Die duale Ausbildung zum Fotografen (Fotograf/-in mit Abschluss als staatlich geprüfter Fotograf) dauert drei Jahre und wird in Deutschland von etwa 1.200 Betrieben angeboten. Du lernst dabei Lichtsetzung, Bildbearbeitung, Kundenberatung und wie man mit Auftraggebern kommuniziert. Du arbeitest in einem Studio, einem Fotoatelier oder bei einem Fotografen in der Stadt. Viele dieser Auszubildenden kommen aus der Schule, haben oft Abitur oder mittlere Reife und wollen direkt loslegen. Diese Ausbildung ist die einzige offiziell anerkannte Berufsausbildung im Bereich Fotografie - und trotzdem machen nur etwa 15 % aller Berufsfotografen diesen Weg.

Das Studium der Fotografie findet an Kunsthochschulen oder Fachhochschulen statt. Du bekommst hier einen Bachelor oder Master, oft mit Schwerpunkt auf künstlerischer Fotografie, Dokumentarfotografie oder Bildjournalismus. Es kostet Geld, dauert drei bis vier Jahre und ist vor allem für diejenigen geeignet, die später in der Kunstwelt, in Galerien oder als Fotojournalist arbeiten wollen. Nur etwa 5 % der professionellen Fotografen haben einen solchen Abschluss. Die meisten von ihnen arbeiten später in Nischen - Museen, Zeitschriften, Dokumentarfilme - und nicht im alltäglichen Gewerbe wie Hochzeiten, Porträts oder Werbefotos.

Was bringen Abschlüsse wirklich?

Ein Abschluss gibt dir keine besseren Fotos. Er gibt dir keine bessere Kamera. Er gibt dir keine besseren Kunden.

Was er wirklich gibt, ist:

  • Einen Zugang zu Netzwerken - Professoren, Mitstudenten, Ausstellungen
  • Eine Struktur - du lernst, wie man Projekte planst, präsentiert, reflektiert
  • Eine formale Qualifikation - wichtig, wenn du bei staatlichen Institutionen oder großen Medien arbeiten willst

Aber das ist es auch schon. Wenn du eine Hochzeit fotografierst, brauchst du kein Diplom. Du brauchst Verlässlichkeit, schnelles Reagieren, eine gute Ausrüstung und den Mut, in stressigen Momenten das Richtige zu tun. Kunden zahlen nicht für deinen Abschluss. Sie zahlen für deine Stimmung, deine Schnelligkeit, deine Bilder - und dafür, dass du sie nicht enttäuscht.

Wohnzimmer-Studio mit gedruckten Fotos und Kameraausrüstung in Berlin.

Was machen die erfolgreichsten Fotografen?

Die erfolgreichsten Fotografen in Deutschland haben oft nichts von einem Studium. Sie haben:

  • Ein Portfolio mit 500+ Bildern, die sie selbst erstellt haben
  • Eine Website, die funktioniert und die sie regelmäßig aktualisieren
  • Eine klare Nische - etwa „Familienfotografie in Berlin“ oder „Produktfotografie für E-Commerce“
  • Eine starke Social-Media-Präsenz, oft auf Instagram oder Pinterest
  • Ein Netzwerk aus anderen Kreativen - Stylisten, Modelle, Grafiker

Ein Beispiel: Lena Fischer, eine der meistgefragten Kinderfotografen in München, hat nie studiert. Sie hat mit einer gebrauchten Canon EOS 60D angefangen, ihre eigenen Kinder fotografiert, dann Freunde, dann Nachbarn. Heute hat sie 12.000 Instagram-Follower, arbeitet mit zwei Assistenten und verdient mehr als 80.000 Euro im Jahr. Ihr Abschluss? Abitur. Ihre Qualifikation? 3.700 aufgenommene Fotos in den letzten fünf Jahren.

Was ist mit internationalen Fotografen?

In den USA oder Japan ist die Situation ähnlich. Selbst bei renommierten Fotografen wie Annie Leibovitz oder Hiroshi Sugimoto gibt es kaum jemanden mit einem Fotografie-Studium. Leibovitz hat an der Pratt Institute studiert - aber nur ein Jahr, dann hat sie aufgehört und als Assistentin bei Rolling Stone angefangen. Sugimoto hat in den USA Kunst studiert, aber nicht Fotografie. Beide haben gelernt, indem sie gearbeitet haben - nicht indem sie in der Bibliothek saßen.

Das ist kein Zufall. Die Fotografie ist eine Handwerkskunst, keine akademische Disziplin. Du kannst Theorie lernen - aber das echte Wissen kommt vom Drücken des Auslösers, vom Scheitern, vom Wiederholen.

Gegensatz: Universitätsvorlesung vs. Hochzeitsfotografie in Aktion.

Was solltest du tun, wenn du Fotograf werden willst?

Wenn du heute anfängst, hier ist, was wirklich zählt:

  1. Kaufe eine Kamera, die du dir leisten kannst - nicht die teuerste, sondern die, die du heute benutzen kannst.
  2. Fotografiere jeden Tag. Mindestens 10 Bilder. Egal ob es schön ist oder nicht.
  3. Lerne die Grundlagen: Belichtung, Fokus, Komposition. Nutze kostenlose YouTube-Kanäle wie „Fotografie 101“ oder „Fotografieren lernen mit Tim“.
  4. Erstelle ein kostenloses Portfolio auf Pixieset oder Format. Lade 20 deiner besten Bilder hoch.
  5. Frag Freunde oder lokale Unternehmen, ob du sie kostenlos fotografieren darfst - für dein Portfolio.
  6. Sprich mit anderen Fotografen. Gehe zu lokalen Fototreffen. Frag: „Wie hast du angefangen?“
  7. Warte nicht auf „den perfekten Moment“. Fange jetzt an.

Die meisten, die erfolgreich sind, haben nicht den besten Abschluss. Sie haben einfach angefangen - und nie aufgehört.

Warum gibt es dann so viele Studiengänge?

Weil Universitäten und Hochschulen Geld verdienen wollen. Fotografie-Studiengänge sind beliebt - sie ziehen Studenten an, die glauben, sie bräuchten einen Abschluss, um beruflich erfolgreich zu sein. Die Institutionen verkaufen Hoffnung. Aber die Realität sieht anders aus: Nur 20 % der Absolventen arbeiten tatsächlich als Vollzeitfotografen fünf Jahre nach dem Abschluss. Die anderen wechseln in andere Bereiche - Grafikdesign, Marketing, Bildredaktion - oder hören ganz auf.

Ein Studium ist kein Garant. Es ist eine Option. Und nur eine von vielen.

Die Wahrheit über Fotografie und Bildung

Es gibt keinen einzigen Weg, Fotograf zu werden. Es gibt keine Prüfung, die dich zum Profi macht. Es gibt nur deine Hände, deine Kamera und die Zeit, die du investierst.

Wenn du heute anfängst, wirst du in einem Jahr besser sein als die Hälfte aller Absolventen. In zwei Jahren wirst du besser sein als die meisten, die studiert haben. Und in drei Jahren? Dann wirst du nicht mehr fragen, ob du einen Abschluss brauchst - weil du längst deine eigene Karriere aufgebaut hast.

Dein Abschluss ist nicht auf Papier. Er ist in deinen Bildern.

Braucht man einen Hochschulabschluss, um Fotograf zu werden?

Nein, ein Hochschulabschluss ist nicht notwendig, um Fotograf zu werden. Die meisten professionellen Fotografen in Deutschland haben keinen Uni-Abschluss. Erfolg basiert auf Praxis, Portfolio und Kundenvertrauen - nicht auf Diplomen.

Ist eine Fotografen-Ausbildung sinnvoll?

Ja, die duale Ausbildung zum staatlich geprüften Fotografen ist sinnvoll, wenn du strukturiert lernen und in einem Betrieb praktische Erfahrung sammeln willst. Sie ist die einzige offiziell anerkannte Berufsausbildung in diesem Bereich. Allerdings wählen nur etwa 15 % der Fotografen diesen Weg - viele lernen lieber selbstständig.

Was bringt ein Fotografie-Studium?

Ein Studium bietet Zugang zu Netzwerken, künstlerischer Theorie und Ausstellungsmöglichkeiten - besonders nützlich für Fotografen, die in der Kunstwelt, bei Medien oder in der Dokumentarfotografie arbeiten wollen. Für kommerzielle Bereiche wie Hochzeiten oder Werbung ist es meist überflüssig.

Wie kann man ohne Studium erfolgreich werden?

Durch konsequentes Üben: Jeden Tag fotografieren, ein starkes Portfolio aufbauen, eine klare Nische finden, soziale Medien nutzen und mit Kunden arbeiten. Viele erfolgreiche Fotografen haben nie studiert - sie haben einfach angefangen und nie aufgehört.

Wie viele Fotografen haben einen Abschluss?

Nur etwa 20 % der berufstätigen Fotografen in Deutschland haben einen Hochschulabschluss oder eine formale Ausbildung. Der Großteil hat sich durch Selbststudium, Praktika und eigene Projekte qualifiziert.

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