Wer steht eigentlich hinter den ikonischen Taschen, Jacken und Laufsteg-Showcases von Louis Vuitton? Es ist nicht der Gründer, der vor über 170 Jahren den ersten Koffer baute. Es ist auch nicht der CEO, der die Zahlen im Jahresbericht erklärt. Es ist der kreative Direktor - derjenige, der die Seele der Marke in Stoff, Farbe und Form übersetzt. Seit 2023 ist das Nicolas Ghesquière, ein Name, der in der Modebranche wie ein Befehl klingt.
Wer ist Nicolas Ghesquière?
Nicolas Ghesquière wurde 1971 in Saint-Germain-en-Laye, Frankreich, geboren. Er studierte Mode an der École de la Chambre Syndicale de la Couture Parisienne, aber seine wahre Ausbildung begann, als er mit 19 Jahren bei Azzedine Alaïa arbeitete. Dort lernte er, wie man Kleidung nicht nur trägt, sondern wie sie den Körper formt, verändert und verführt. Sein Stil ist technisch präzise, aber emotional stark - eine Mischung aus futuristischem Design und historischem Respekt.
Bevor er 2013 zu Louis Vuitton wechselte, machte er Balenciaga zu einer der einflussreichsten Marken der 2000er Jahre. Er brachte schmale Silhouetten, metallische Stoffe und asymmetrische Schnitte in die Mainstream-Mode. Kein anderer Designer hatte damals so klar gezeigt, dass Mode nicht nur aus Blumen und Rüschen besteht, sondern aus Architektur, Bewegung und Zukunft.
Was hat er bei Louis Vuitton verändert?
Als Ghesquière 2013 die Leitung übernahm, war Louis Vuitton vor allem für seine Monogramm-Taschen bekannt - und für nichts anderes. Die Kollektionen wirkten wie eine Wiederholung desselben Designs, nur in anderen Farben. Ghesquière änderte das. Er brachte die Laufsteg-Show auf ein neues Niveau: Die Präsentationen wurden zu kinematografischen Erlebnissen, oft in historischen Gebäuden wie dem Grand Palais oder der Opéra Garnier.
Er kombinierte klassische Louis-Vuitton-Elemente - wie das Monogramm und die Trägerriemen - mit futuristischen Schnitten, metallischen Stoffen und technischen Details, die eher aus einem Sci-Fi-Film stammen. Ein Mantel aus glänzendem Leder mit versteckten Reißverschlüssen, eine Jacke mit eingearbeiteten LED-Strukturen, eine Handtasche, die wie ein futuristischer Helm aussieht: Alles war Louis Vuitton, aber nie so gewesen.
Er ließ die Marke nicht nur modern aussehen - er machte sie relevant für eine neue Generation. Frauen trugen seine Kollektionen nicht nur, weil sie teuer waren, sondern weil sie sich wie Heldinnen fühlten. In einer Zeit, in der viele Marken versuchten, sich „authentisch“ zu geben, wurde Louis Vuitton durch Ghesquière zur Visionärin.
Was geschah vor Ghesquière?
Bevor Nicolas Ghesquière kam, war Virgil Abloh der kreative Direktor - und er war etwas ganz anderes. Abloh, der 2018 nach dem Tod von Kim Jones folgte, brachte Streetwear in die High Fashion. Er war der erste schwarze kreative Direktor bei Louis Vuitton. Seine Kollektionen waren voller Graffiti, Logos, Skateboard-Schuhe und kollaborativer Projekte mit Nike oder Ikea. Er machte Mode zugänglich, spielerisch, popkulturell.
Abloh starb im November 2021 an einem seltenen Krebs. Sein Tod war ein Schock für die Modewelt. Er hatte Louis Vuitton nicht nur verändert - er hatte es geöffnet. Für viele junge Menschen war er der erste Designer, der wie sie aussah, sprach und dachte. Seine Nachfolge war unmöglich. Niemand konnte seine Stimme ersetzen.
Ghesquière übernahm nicht als Ersatz, sondern als Erweiterung. Er nahm das, was Abloh begonnen hatte - die Öffnung der Marke für neue Kulturen - und fügte seine eigene, rigoros elegante Sprache hinzu. Die Kollektionen seit 2023 zeigen das: Ein Mantel mit Ablohs Streetwear-Logos, aber in Ghesquières metallischen Schnitten. Ein Sneaker, der wie ein Abloh-Design aussieht, aber mit einer Ghesquière-Sohle aus 3D-gedrucktem Material.
Wie arbeitet er heute?
Ghesquière arbeitet nicht wie ein klassischer Designer. Er hat kein großes Team, das ständig neue Skizzen zeichnet. Stattdessen arbeitet er mit einer kleinen Gruppe von Architekten, Ingenieuren und Textilforschern. Er besucht Fabriken, studiert historische Kleidungsstücke in Museen und testet Stoffe auf der Laufstegbühne, bevor sie jemals in einer Kollektion erscheinen.
Er nutzt 3D-Druck für Schnittmuster, experimentiert mit recyceltem Leder, das wie Stahl klingt, und lässt seine Modelle nicht nur laufen - er lässt sie tanzen, springen, sich drehen. Jede Bewegung wird filmisch dokumentiert, um zu sehen, wie sich der Stoff verhält. Seine Kollektionen entstehen nicht im Studio, sondern auf der Straße, in der Luft, in der Bewegung.
Er hat auch die Art und Weise verändert, wie Louis Vuitton mit Kunst umgeht. Seit 2020 kooperiert er mit Künstlern wie Yayoi Kusama, Takashi Murakami und Olafur Eliasson - nicht als Werbeaktion, sondern als echte künstlerische Zusammenarbeit. Die Ergebnisse: Taschen, die wie lebendige Gemälde wirken, Schuhe, die wie Skulpturen aussehen, und Schaufenster, die wie Installationen in einer Galerie aussehen.
Warum ist das wichtig?
Wenn du eine Louis-Vuitton-Tasche kaufst, kaufst du nicht nur ein Produkt. Du kaufst eine Geschichte. Eine Geschichte, die von einem Mann geschrieben wurde, der als Teenager in Frankreich alte Modezeitschriften durchblätterte, und heute die größte Mode-Marke der Welt leitet. Eine Geschichte, die von einem Mann erzählt, der nicht auf Trends wartet, sondern sie schafft.
Ghesquière ist kein Designer, der sich anpasst. Er ist jemand, der die Welt verändert, indem er sie neu sieht. Er hat gezeigt, dass Luxus nicht aus Gold und Seide besteht, sondern aus Vision, Mut und technischer Perfektion. Und er hat bewiesen, dass Mode nicht nur etwas ist, das man trägt - sondern etwas, das man fühlt.
Was kommt als Nächstes?
Im Jahr 2025 arbeitet Ghesquière an einer neuen Kollektion, die sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Maschine beschäftigt. Es gibt Gerüchte über Kleidung, die sich mit der Körpertemperatur verändert, und Taschen, die mit dem Smartphone kommunizieren. Er experimentiert mit Biotechnologie - Stoffe, die aus Algen wachsen, und Leder, das aus Pilzen gezüchtet wird.
Er hat gesagt: „Ich will nicht, dass Menschen sagen: ‚Das ist schön.‘ Ich will, dass sie sagen: ‚Wie kann das möglich sein?‘“
Und das ist es, was ihn von allen anderen unterscheidet. Er macht nicht nur Mode. Er macht Wunder.
Wer ist der aktuelle kreative Direktor von Louis Vuitton?
Der aktuelle kreative Direktor von Louis Vuitton ist Nicolas Ghesquière. Er übernahm die Position im Jahr 2013 und hat seitdem die Marke von einer klassischen Luxusmarke zu einer der innovativsten in der Mode verwandelt.
Warum wurde Nicolas Ghesquière ausgewählt?
Ghesquière wurde ausgewählt, weil er eine einzigartige Mischung aus technischer Präzision und künstlerischer Vision besitzt. Vor Louis Vuitton hatte er Balenciaga revolutioniert und bewiesen, dass er alte Traditionen mit futuristischem Design verbinden kann - genau das, was Louis Vuitton brauchte, um in der modernen Mode relevant zu bleiben.
Was hat Virgil Abloh bei Louis Vuitton verändert?
Virgil Abloh brachte Streetwear, Popkultur und Diversität in die Marke. Er war der erste schwarze kreative Direktor und machte Louis Vuitton für junge, globale Generationen zugänglich. Seine Kollektionen enthielten Graffiti, kollaborative Projekte und eine neue Form von Luxus - emotional, nicht nur teuer.
Wie unterscheidet sich Ghesquière von Abloh?
Ghesquière arbeitet mit Architektur, Technologie und historischer Referenz - seine Mode ist elegant, präzise und futuristisch. Abloh arbeitete mit Kultur, Identität und Alltag - seine Mode war spielerisch, rebellisch und zugänglich. Beide haben Louis Vuitton verändert, aber auf völlig unterschiedliche Weise.
Hat Louis Vuitton jemals eine Frau als kreative Direktorin gehabt?
Nein, Louis Vuitton hat noch nie eine Frau als kreativen Direktor ernannt. Alle bisherigen kreativen Leiter waren Männer: Nicolas Ghesquière, Virgil Abloh, Marc Jacobs und Kim Jones. Dies ist ein bekannter Kritikpunkt in der Modebranche, da viele andere Luxusmarken inzwischen Frauen in diese Rolle berufen haben.