Im Jahr 2026 stellt sich eine Frage, die seit Jahren in Fotografie-Foren und auf Messen diskutiert wird: Werden DSLR-Kameras wirklich obsolet? Die Antwort ist nicht einfach ja oder nein - sie hängt davon ab, was du mit deiner Kamera machen willst. Wenn du Profi-Fotograf bist, der seit 20 Jahren mit einer Canon EOS 5D Mark IV arbeitet, oder ein Hobbyfotograf, der seine Nikon D750 noch immer liebt, dann bist du nicht obsolet. Aber die Industrie hat sich verändert - und zwar grundlegend.
Was ist eigentlich eine DSLR?
DSLR steht für Digital Single-Lens Reflex. Das bedeutet: Ein Spiegel im Inneren der Kamera leitet das Licht vom Objektiv zum Sucher. Wenn du auf den Auslöser drückst, hebt sich der Spiegel, das Licht trifft auf den Sensor - und das Bild wird aufgenommen. Diese Technik funktioniert seit den 1980er-Jahren zuverlässig. Canon und Nikon haben damit Milliarden von Kameras verkauft. Die Modelle wie die Canon EOS 90D oder die Nikon D850 waren jahrelang die Referenz für Bildqualität, Robustheit und Objektivvielfalt.
Doch seit 2018 hat sich alles verändert. Mirrorless-Kameras - also Spiegellose - haben den Markt übernommen. Kein Spiegel, kein Prisma. Stattdessen ein elektronischer Sucher (EVF) und ein Sensor, der direkt das Bild anzeigt. Das macht die Kameras kleiner, leiser und schneller. Und das ist der Grund, warum Canon und Nikon seit 2020 fast alle neuen Entwicklungen nur noch in ihre Mirrorless-Systeme stecken.
Canon und Nikon haben aufgehört, DSLRs zu entwickeln
Canon hat im Jahr 2023 offiziell erklärt, dass die EOS-1D X Mark III die letzte professionelle DSLR sein wird. Die EOS R3, R5 und R6 sind jetzt die neuen Flaggschiffe. Nikon hat 2022 die D6 als letzte High-End-DSLR veröffentlicht und danach nur noch die D3500 und D5600 für Einsteiger weiterverkauft - ohne neue Firmware-Updates, ohne neue Objektive. Beide Hersteller haben ihre Ressourcen komplett auf ihre Mirrorless-Systeme umgeleitet.
Das bedeutet: Wenn du heute eine neue DSLR kaufst, bekommst du eine Kamera, die seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt wurde. Keine neuen Autofokus-Algorithmen. Keine verbesserte Rauschunterdrückung. Keine Updates für Wi-Fi oder Bluetooth. Du kaufst eine Technologie, die stillsteht - während sich alles andere weiterentwickelt.
Warum Mirrorless die bessere Wahl ist - für die meisten
Die Vorteile von Mirrorless-Kameras sind nicht nur technisch, sondern praktisch:
- Stillschweigender Auslöser: Kein Klacken des Spiegels - perfekt für Hochzeiten, Theater oder Naturfotografie.
- Realtime-Preview: Du siehst exakt, wie das Bild später aussieht - Belichtung, Weißabgleich, Schärfe - alles im Sucher.
- Bessere Autofokus-Systeme: Canon’s Dual Pixel CMOS AF II und Nikons Eye-Detection AF funktionieren heute viel präziser als jede DSLR-Technologie jemals konnte.
- Kompaktere Bauweise: Ein R5 mit 24-70mm-Objektiv wiegt 1,1 kg. Eine 5D Mark IV mit gleichem Objektiv wiegt 1,6 kg. Das ist ein Unterschied, den du bei einer 12-Stunden-Schicht spürst.
- Videoleistung: Die Canon R6 Mark II nimmt 4K/60p mit 10-Bit-4:2:2 auf - eine DSLR kann das nicht. Die Nikon Z6 II macht dasselbe. Die D850? Nur 4K/30p mit Schnitt.
Und dann gibt es noch die Objektive. Canon hat seit 2021 keine neuen EF-Objektive mehr entwickelt. Alle neuen Linsen - von 14mm bis 600mm - sind jetzt für das RF-System. Nikon hat das gleiche getan: Keine neuen F-Mount-Objektive mehr. Wenn du heute eine neue Linse brauchst, musst du auf RF oder Z setzen.
Wann lohnt sich eine DSLR noch?
Nicht alle sind gezwungen, umzusteigen. Es gibt drei Szenarien, in denen eine DSLR immer noch Sinn macht:
- Du hast schon ein großes Objektiv-Portfolio: Wenn du 20 Jahre lang in EF- oder F-Mount-Objektive investiert hast - und diese noch perfekt funktionieren - ist es sinnvoll, sie weiterzunutzen. Mit einem Adapter kannst du sie an eine Mirrorless-Kamera anschließen. Die Bildqualität bleibt erhalten.
- Du brauchst eine Backup-Kamera: Einige Profis halten eine alte DSLR als Reserve. Sie ist robust, batterieeffizient und läuft auch bei minus 20 Grad noch.
- Du bist ein Einsteiger mit kleinem Budget: Eine gebrauchte Nikon D750 oder Canon EOS 80D kostet heute 300-400 Euro. Für jemanden, der nur gelegentlich fotografiert, ist das eine sinnvolle Investition - solange du weißt, dass du nie ein neues Objektiv mehr kaufen wirst.
Was du aber nicht tun solltest: Eine neue DSLR kaufen, nur weil sie billiger ist. Denn wenn du heute eine Canon EOS R10 kaufst - mit 24,2 MP, 4K-Video und modernem Autofokus - kostet sie nur 700 Euro. Das ist nicht viel mehr als eine gebrauchte 90D. Und du bekommst eine Kamera, die in fünf Jahren noch unterstützt wird.
Die Zukunft gehört den Spiegellosen - und das ist kein Trend, sondern eine Tatsache
Im Jahr 2026 gibt es keine DSLR-Modelle mehr, die von Canon oder Nikon weiterentwickelt werden. Keine neuen Sensoren. Keine neuen Prozessoren. Keine neuen Firmware-Features. Die letzten DSLRs sind jetzt Klassiker - wie ein VW Käfer aus den 80ern. Sie funktionieren. Aber sie sind nicht mehr die Zukunft.
Wenn du heute neu einsteigst, ist die Wahl klar: Canon R7, Nikon Z5, Sony A7 IV. Sie sind schneller, leiser, besser in der Video- und Autofokus-Performance. Und sie werden noch Jahre lang Updates bekommen.
Die Frage ist nicht, ob DSLRs obsolet sind - sie sind es. Die Frage ist: Warum hältst du noch an ihnen fest? Wenn es nur an Gewohnheit liegt - dann ist das verständlich. Aber wenn du auf der Suche nach der besten Ausrüstung bist, dann ist die Antwort einfach: Geh mit der Zeit.
Was passiert mit deinen alten DSLRs?
Wenn du auf Mirrorless umsteigst, musst du deine alten DSLRs nicht wegschmeißen. Viele Fotografen verkaufen sie - und sie sind immer noch gefragt. Auf eBay oder in lokalen Fotogruppen finden sie neue Besitzer: Studenten, Anfänger, Menschen, die nur ein paar Fotos pro Monat machen. Deine alte Kamera wird noch lange gebraucht - nur nicht von dir.
Und wenn du sie behältst? Dann nutze sie als Backup. Oder als Reisekamera. Aber lass dich nicht davon täuschen: Sie ist kein Ersatz für eine moderne Kamera. Sie ist ein Erbstück - und das ist in Ordnung.
Wie du entscheidest, was für dich richtig ist
Frage dich:
- Benötigst du 4K-Video mit hohem Bitrate? → Dann brauchst du Mirrorless.
- Hast du mehr als drei Objektive, die du nicht ersetzen willst? → Dann kannst du deine DSLR noch nutzen - aber nur mit Adapter.
- Machst du Sport- oder Wildtierfotografie mit schnellen Bewegungen? → Mirrorless hat den Autofokus um Jahre voraus.
- Willst du eine Kamera, die in fünf Jahren noch Support hat? → Dann kaufe keine DSLR.
Es gibt keinen Grund mehr, eine DSLR als Hauptkamera zu kaufen. Die Technologie ist abgeschlossen. Die Zukunft ist spiegellos. Und die besten Kameras der Welt - ob Canon, Nikon, Sony oder Fujifilm - sind heute alle ohne Spiegel.
Sind gebrauchte DSLRs noch eine gute Investition?
Gebrauchte DSLRs sind nur dann eine gute Investition, wenn du ein kleines Budget hast und nur gelegentlich fotografierst. Sie sind robust, aber sie haben keine neuen Funktionen wie verbesserten Autofokus, 4K-Video oder Firmware-Updates. Wenn du eine Kamera suchst, die dich in fünf Jahren noch unterstützt, dann kaufe eine Mirrorless-Kamera - selbst wenn sie gebraucht ist.
Kann ich meine alten Canon- oder Nikon-Objektive an eine Mirrorless-Kamera verwenden?
Ja, das kannst du. Canon bietet offizielle EF-to-RF-Adapter, Nikon hat den FTZ-Adapter für F-Mount-Objektive. Die Bildqualität bleibt erhalten, und der Autofokus funktioniert fast so gut wie mit neuen Objektiven - manchmal sogar besser, weil die Mirrorless-Kameras über bessere Algorithmen verfügen. Aber: Du verlierst die Stabilität des elektronischen Bildstabilisators, wenn dein Objektiv keinen eigenen Stabilisator hat.
Warum verkaufen Hersteller noch DSLRs, wenn sie sie nicht mehr entwickeln?
Sie verkaufen sie, weil noch Lagerbestände vorhanden sind - und weil es immer noch Kunden gibt, die sie wollen. Es ist ein Abschlussverkauf. Canon und Nikon haben ihre Produktionslinien für DSLRs eingestellt. Die Kameras, die heute noch verkauft werden, sind Restbestände. Keine neuen Modelle mehr. Keine neuen Objektive. Keine Updates. Es ist wie ein letzter Zug, der abfährt.
Ist eine Nikon D850 heute noch konkurrenzfähig?
Die D850 ist immer noch eine hervorragende Kamera - mit 45,7 MP, ausgezeichneter Dynamik und sehr guter Farbtreue. Aber sie ist 2017 erschienen. Eine Nikon Z7 II aus 2020 hat denselben Sensor, aber einen viel besseren Autofokus, einen elektronischen Sucher, 4K/60p-Video und eine längere Batterielaufzeit. Die D850 ist kein schlechtes Gerät - aber sie ist veraltet.
Was ist mit Fotografen, die nur mit DSLRs arbeiten?
Viele Profis arbeiten noch mit DSLRs - besonders in der Sport- oder Pressefotografie. Aber die meisten von ihnen haben bereits eine Mirrorless-Kamera als Hauptgerät. Die DSLR ist nur noch als Backup da. Wer heute noch ausschließlich mit einer DSLR arbeitet, tut das meist aus Gewohnheit - nicht weil es technisch besser ist. Die Industrie hat sich bewegt. Wer mitzieht, hat mehr Möglichkeiten.