Stell dir vor, du hast eine Kamera, liebst es, Momente einzufangen, und willst daraus etwas machen - aber du hast keine Ausbildung, keine Portfolios, keine Kunden. Keine Sorge: Du bist nicht der Erste. Tausende haben genau hier angefangen. In Hamburg, Berlin, Köln und sogar in kleinen Städten: Menschen ohne jeden Hintergrund bauen heute erfolgreich Fotografie-Business auf. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Es geht darum, anzufangen.
Was du wirklich brauchst (nicht was du denkst)
Du brauchst keine teure Kamera. Du brauchst keine Studio-Beleuchtung. Du brauchst auch nicht zu wissen, wie man mit Blendenwerten umgeht, bevor du dein erstes Foto machst. Was du wirklich brauchst, ist: eine Kamera - egal ob DSLR, Spiegelreflex oder sogar ein modernes Smartphone - und die Bereitschaft, jeden Tag ein bisschen besser zu werden.
Ein iPhone 15 Pro oder eine gebrauchte Canon EOS R5 von 2020 reichen völlig aus, um professionell aussehende Bilder zu machen. Die meisten Kunden erkennen nicht, ob du eine 3.000-Euro-Kamera hast. Sie erkennen, ob du Licht gut verwendest, ob deine Bilder Emotionen transportieren und ob du zuverlässig bist.
Dein erster Schritt? Mach 10 Fotos am Tag. Nicht für Instagram. Nicht für dich. Für jemanden anderen. Ein Freund, eine Nachbarin, ein Kollege - biete an, ihnen gratis ein paar Porträts zu machen. Sag: „Ich lerne gerade, ich mache dir drei Fotos, und du sagst mir, was dir gefällt.“ Du bekommst Feedback. Du baust dein Portfolio. Und du lernst, wie man mit Menschen umgeht - das ist der wichtigste Teil.
Dein erstes Portfolio: Einfach, aber echt
Ein Portfolio ist nicht eine Sammlung von Bildern, die du im Internet gefunden hast. Ein Portfolio ist eine Geschichte von dir - und was du lieferst. Du brauchst nicht 50 Bilder. Du brauchst 5 bis 8, die zeigen: Du kannst Menschen authentisch abbilden.
Beispiel: Ein 60-Jähriger, der mit seinem Hund spazieren geht. Ein Paar, das sich in einem Park küsst. Ein Kind, das lacht, während es Eis isst. Keine Studio-Posen. Keine Photoshop-Overdoses. Echte Momente. Echte Emotionen.
Stelle diese Bilder auf eine einfache Webseite. Nutze Canva, Wix oder sogar Instagram. Erstelle einen Ordner mit dem Titel „Meine Fotografie“ und lade dort deine besten 5 Bilder hoch. Füge dazu einen kurzen Text hinzu: „Ich fotografiere echte Menschen in echten Momenten. Für Familien, Paare, kleine Unternehmen. Ich lerne noch, aber ich gebe mein Bestes - und das spüren meine Kunden.“
Wie du deine ersten Kunden findest (ohne Werbebudget)
Du hast kein Geld für Facebook-Werbung? Gut. Dann nutze, was du hast: deine Netzwerke.
- Erzähl deinen Freunden, dass du jetzt Fotografie als Nebenjob machst. Frag: „Kennt jemand, der ein Familienfoto braucht?“
- Gehe in lokale Cafés, Läden oder Co-Working-Spaces. Sprich mit Besitzern: „Ich mache kostenlose Fotos für kleine Unternehmen - wenn Sie mir erlauben, Ihre Räume oder Produkte zu fotografieren.“ Viele kleine Läden brauchen gute Bilder für Instagram - und sind dankbar.
- Erstelle einen einfachen Flyer mit 3 Bildern und deinem Instagram-Profil. Hänge ihn in Supermärkten, Bibliotheken oder Gemeindezentren auf - mit Genehmigung, natürlich.
Dein erster Kunde? Wahrscheinlich jemand, der dich kennt. Dein zweiter? Ein Freund von deinem ersten Kunden. Das ist, wie kleine Unternehmen wirklich wachsen - durch Mund-zu-Mund-Propaganda.
Wie du dich verkaufst - ohne zu drängen
Die meisten Anfänger machen denselben Fehler: Sie sagen: „Ich mache Fotos für 50 Euro!“ Das klingt nicht nach Profi. Das klingt nach jemandem, der sich selbst nicht wertschätzt.
Stattdessen: „Ich biete kleine Fotostunden für Familien oder kleine Unternehmen an - 60 Minuten, 15 bearbeitete Fotos, digitale Dateien. 99 Euro.“
Warum 99? Weil es sich anfühlt wie ein Preis, den man sich leisten kann - aber nicht wie „kostenlos“. Du gibst etwas Wertvolles. Du gibst nicht nur Fotos - du gibst Erinnerungen. Du gibst Vertrauen.
Und wenn jemand fragt: „Aber du hast doch keine Erfahrung?“ - antworte: „Richtig. Ich bin neu. Aber ich bin sehr aufmerksam, ich höre genau zu, und ich gebe alles, damit du zufrieden bist. Wenn du nicht zufrieden bist, bekommst du dein Geld zurück.“
Das ist kein Verkaufstrick. Das ist Ehrlichkeit. Und Ehrlichkeit baut Vertrauen - schneller als jede teure Werbekampagne.
Was du lernen musst - und was du ignorieren kannst
Es gibt eine Menge Dinge, die du lernen solltest. Aber nicht alles auf einmal.
Was du lernen musst:
- Wie man mit natürlichem Licht arbeitet - das ist der wichtigste Skill. Ein gutes Bild mit Sonnenlicht ist besser als ein schlechtes mit Blitz.
- Wie man mit Menschen spricht - vor der Kamera. „Lächeln Sie nicht in die Kamera. Schauen Sie zum Fenster. Atmen Sie tief ein - jetzt.“ Solche Anweisungen machen den Unterschied.
- Wie man Fotos bearbeitet - mit Lightroom oder sogar kostenlosen Apps wie Snapseed. Du musst nicht perfekt sein. Du musst konsistent sein.
Was du ignorieren kannst:
- Welche Linse „besser“ ist - fang mit der Standardlinse an.
- Wie man mit Studio-Blitz arbeitet - lerne das später, wenn du Kunden hast, die es brauchen.
- Wie man ein vollständiges Business-Modell aufsetzt - fang klein an. Du brauchst keine Rechnungssoftware, keine Steuerberaterin, keine GmbH. Beginne als Einzelunternehmer. Das ist legal, einfach und perfekt für den Anfang.
Dein erster Monat: Ein realistischer Plan
Tag 1-3: Hol dir eine Kamera. Lade eine kostenlose Lightroom-App runter. Mache 10 Fotos von jemandem - egal wer.
Tag 4-7: Wähle 5 beste Fotos. Stelle sie online. Erzähl 5 Leuten davon: „Ich fange jetzt an, Fotos zu machen. Könnt ihr jemanden kennen, der Bilder braucht?“
Tag 8-14: Mache dein erstes Paid-Session. 99 Euro. 60 Minuten. 15 Fotos. Lass dich nicht von „Ich habe kein Geld“ abschrecken. Die meisten Leute haben 100 Euro, wenn sie merken, dass es etwas Wertvolles ist.
Tag 15-30: Frage jeden Kunden: „Könntest du mir einen kurzen Text schreiben, was dir an meinen Fotos gefallen hat?“ Sende diesen Text mit dem Bild als Testimonial. Das ist dein nächstes Werbemittel.
Am Ende des Monats hast du vielleicht 2-3 Kunden. Vielleicht 500 Euro verdient. Vielleicht nicht. Aber du hast etwas, das viele nie haben: Beweise, dass du es kannst.
Warum das funktioniert - und warum es nicht scheitert
Die meisten, die anfangen, scheitern nicht an der Technik. Sie scheitern an der Angst. Angst, nicht gut genug zu sein. Angst, abgelehnt zu werden. Angst, dass andere sie für einen „Hobbyschreiber“ halten.
Du bist kein Hobbyschreiber. Du bist jemand, der etwas anbietet - und das ist genug. Fotografie ist kein Talent, das man geboren hat. Es ist eine Fähigkeit, die man entwickelt. Jeder, der jeden Tag übt, wird besser. Und wenn du das tust - und du dich nicht versteckst - wirst du Kunden finden.
Ich kenne jemanden in Hamburg, der vor zwei Jahren mit einem alten Smartphone angefangen hat. Heute hat er 120 Kunden pro Monat, verdient 5.000 Euro und arbeitet mit drei lokalen Boutiquen zusammen. Er hat nie eine Ausbildung gemacht. Er hat nie ein Seminar besucht. Er hat einfach angefangen - und weitergemacht.
Was als Nächstes kommt
Wenn du nach drei Monaten 10 Kunden hast - dann überleg dir: Wie kann ich das Systematisieren? Wie kann ich mehr Zeit haben? Vielleicht ein Paket für Hochzeiten? Oder Fotos für kleine Restaurants? Vielleicht eine Kooperation mit einem Friseur, der auch Fotos braucht?
Es gibt keine falsche Richtung. Es gibt nur eine: weitermachen.
Dein erster Kunde wird nicht perfekt sein. Dein zweiter auch nicht. Aber dein zehnter? Der wird dir sagen: „Du hast mein Leben verändert.“ Und das ist der Moment, in dem du merkst: Du hast es geschafft. Nicht, weil du die beste Kamera hattest. Sondern weil du nicht aufgehört hast.
Kann ich wirklich ein Fotografie-Geschäft starten, wenn ich noch nie fotografiert habe?
Ja. Du brauchst keine Ausbildung, keine teure Ausrüstung und keine Erfahrung. Du brauchst eine Kamera - egal ob Smartphone oder gebrauchte DSLR - und die Bereitschaft, jeden Tag ein paar Fotos zu machen und Feedback von Menschen einzuholen. Die meisten erfolgreichen Fotografen haben mit nichts angefangen als mit Neugier und Ausdauer.
Wie viel kostet es, ein Fotografie-Geschäft zu starten?
Du kannst mit unter 100 Euro starten. Eine gebrauchte Kamera von 50 Euro, ein einfaches Stativ für 20 Euro, eine kostenlose Bearbeitungs-App wie Snapseed - und du bist bereit. Dein größtes Investment ist Zeit, nicht Geld. Die meisten Anfänger geben zu viel aus, bevor sie überhaupt ein Foto gemacht haben.
Wie finde ich meine ersten Kunden ohne Werbung?
Sprich mit deinem Netzwerk: Freunde, Familie, Kollegen. Biete an, kostenlos Fotos für lokale Geschäfte zu machen - zum Beispiel für einen Bäcker, der seine Kuchen auf Instagram zeigen will. Viele kleine Unternehmen brauchen gute Bilder und sind dankbar. Ein einfacher Flyer mit drei Bildern in der Bibliothek oder im Supermarkt (mit Genehmigung) kann auch schon erste Kontakte bringen.
Wie viel sollte ich für meine ersten Fotos verlangen?
Beginne mit 99 Euro für eine 60-minütige Session mit 15 bearbeiteten Fotos. Das ist ein Preis, der sich für Kunden anfühlt, als ob sie etwas Wertvolles bekommen - aber nicht zu teuer ist. Du willst nicht unterbieten. Du willst vertrauenswürdig wirken. Ein Preis von 50 Euro signalisiert: Ich bin nicht sicher. Ein Preis von 200 Euro signalisiert: Ich bin neu, aber ich glaube an meinen Wert.
Brauche ich eine Rechnung oder einen Vertrag?
Als Einzelunternehmer brauchst du keine komplizierte Rechnungssoftware. Ein einfacher Text, den du per WhatsApp oder E-Mail schickst, reicht: „Hallo [Name], hier sind die 15 Fotos von unserem Termin. Danke fürs Vertrauen! Der Betrag von 99 Euro ist überweisungsfähig auf [IBAN].“ Du kannst später, wenn du mehr Kunden hast, eine kostenlose Rechnungs-App wie Lexoffice nutzen. Ein Vertrag ist nicht nötig, solange du klar sagst, was du lieferst - und dass du bei Unzufriedenheit das Geld zurückgibst.